Privatinsolvenz im EU-Ländervergleich

In der EU gibt es unterschiedliche Privatinsolvenzverfahren mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Laufzeiten. Das deutsche Insolvenzrecht mit seiner langjährigen "Wohlverhaltensphase" ist ein Negativbeispiel wie man mit seinen Bürgern nicht umgehen sollte. Auch das österreichische Insolvenzrecht zieht sich lange hin. Was nützen da die vorzeitigen Beendigungslaufzeiten bei einer entsprechend hohen quotalen Befriedigung der Gläubiger. Ziel eines jeden Betroffenen muss es sein, sich mit einer 0-Quote zu entschulden. Hier liegt doch die eigentliche Chance eines vom Gesetzgebers gewollten "Neustarts". Dieser sollte dann bitte auch ohne Altlasten und erdrückenden Insolvenz- und Schuldenbereinigungsplänen möglich sein.

Frankreich Insolvenz

Das französische Insolvenzsonderrecht in den Departements Haut-Rhin / Bas-Rhin und Lorraine geniesst neben der England Insolvenz den höchsten Bekanntheitsgrad unter den "Insolvenztouristen", da dieses bereits seit 2000 praktiziert wird und in Deutschland anerkannt ist. In den ersten Jahren war die Erlangung der Restschuldbefreiung als Deutscher noch relativ problemlos möglich. Bereits seit etwa 2010 sind die französsichen Gerichte einer willkürlichen Rechtsfindung erlegen und akzeptieren, vor allem in Strasbourg und Colmar, im Ergebnis keine deutschen Antragsteller mehr. Die Begründung stützt sich weitgehend auf die Nichtanerkennung des französischen Lebensmittelpunktes oder die Aberkennung der "bonne foi", der "Redlichkeit". Insofern rate ich nur unter sehr engen Bedingungen zu einer Frankreich-Insolvenz.

Spanien Insolvenz

Die Insolvenz in Spanien birgt gewisse Risiken, die insbesondere darin bestehen, dass das Verfahren im Nachgang innerhalb von 5 Jahren aufgehoben werden kann, wenn der Schuldner neue Schulden begründet und es versäumt, diese fristgerecht zurück zu zahlen. Zudem ist die spanische Justiz relativ unkalkulierbar, was einem gesicherten Verfahrensgang eher abträglich ist. Trotzdem sollten sich in Spanien lebende, sogenannte Residente, nicht abschrecken lassen und ihr Glück versuchen.

England Insolvenz

Das englische Insolvenzrecht bietet ein Höchstmaß an Sicherheit für den Schuldner, sofern dieser gewillt ist die extrem hohen Lebensunterhaltungs- sowie Infrastrukturkosten zu tragen. Trotz gegenteiliger Beteuerungen, ist das Brexitrisiko mit ungeklärtem Aufenthaltsrecht für EU-Bürger, bei den Überlegungen einer England Insolvenz mit zu berücksichtigen.

Lettland Insolvenz

Aufgrund der kurzen Verfahrenszeit von nur 3 Monaten und der schuldnerfreundlichen Insolvenzordung, bietet sich die Inanspruchnahme einer Insolvenz in Lettland an. Vor allem der Umstand, dass dieses Insolvenzverfahren relativ unbekannt ist und entsprechend der Zustrom von deutschen Insolvenztouristen (noch) gering ist, erlaubt eine kostengünstige Entschuldungsmöglichkeit. Ein weiterer charmanter Umstand ist, dass nur in der Landessprache angemeldete Forderungen Berücksichtigung finden und somit ein Großteil der Gläubiger auf eine Forderungsanmeldung verzichten wird. Die Restschuldbefreiung sieht eine quotale Befriedigung der Gläubiger vor, ein Umstand der bei einem gesetzlichen Mindesteinkommen von € 370,-- /p.M. eher zu vernachlässigen ist.

Lettland mit seiner 700.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Riga ist mit dem Flugzeug oder der Fähre gut zu erreichen. Aufgrund seiner Geschichte ist dieses Land auch maßgeblich von Deutschland mitgeprägt worden und verfügt über eine mitteleuropäische Struktur. Vor allem die günstigen Rahmenbedingungen erlauben eine Umsiedlung nach Lettland um sein Insolvenzverfahren durchzuführen.